Marathon Wochenende

Endlich ist es so weit. Heute ist der Wien Marathon, und ich berichte live. Also eigentlich schon verzögert… Egal, ihr wisst was ich meine.

Vorbereitungen waren ja gut bis ideal. Fühle mich auch fit und es kann bald losgehen. Ich stehe um 6h auf. 3 Stunden vor dem Start. Am Vortag habe ich noch viel Wasser getrunken und ich trinke jetzt auch noch mal einen halben Liter und esse noch ein Zopf.

Startnummer habe ich bereits am Abend befestigt und den Wäschebeutel vorbereitet. Nochmal aufs Klo gehen. Der Magen Darm sollte entleert sein, wie es im Marathon Buch heißt. Geht sich genau aus.

Ich laufe vor zum Bahnhof und fahre mit zwei mal umsteigen zur Vienna International City VIC nach Kagran, wo der Start sein wird. Langsam sieht man immer mehr Läufer und die Spannung steigt.

Auf dem Weg zum Start höre ich Collective Soul, Good morning after All. Motivation passt.

Bin ca. 1 Stunde vor Start dort. Kleidersack abgeben und Sonne suche. Es ist kalt und ich hab beschlossen mit kurzer Hose und T-Shirt zu laufen.

10 Minuten bis zum Start. Der Bundespräsident wünscht allen Läufern ein gutes Rennen. Musik am Start könnte aber etwas motivierende sein. Ziemlich lahme Musik, muss aufpassen dass ich nicht einschlafe.

5-4-3-2-1-Los.

Über die Reichsbrücke geht es vorbei am Praterstern in den Prater. Mist, ich glaub ich muss nochmal aufs Klo. Zwischenzeit kontrollieren. Meine Uhr spinnt. Die Kilometertafeln sind weiter auseinander als meine Uhr anzeigt. Laut Uhr laufe ich einen 4:45 Schnitt und sollte schon 10 km haben, bin aber erst bei 9 km. D. h. Ich konzentriere mich jetzt auf mein Gefühl und auf die Zwischenzeiten. Da finde ich einen einsamen Baum und mache einen 40 Sekunden Stopp zum brunzen. Beim weiter rennen laufe ich fast einen Fahrradfahrer um. Was hat auch der hier zu suchen.

Überall Zuschauer und Leute mit lustigen Anfeuerungsrufen. Ein man hält ein Schild hoch: „Chuck Norris steht schneller auf als du läufst.“ Eine Russin hält ein Schild herein „Power Up“. Jeder klatscht es ab. Und eine Musikgruppe unterstützt von einem Banane- und Orangen-Maskottchen motiviert extra.

Noch ein paar Kinder abklatschen, und weiter geht’s Richtung Schönbrunn. Dort ist auch die erste Staffelübergabestelle. Die interessiert mich heute aber nur am Rande, ich laufe heute ja alleine. Einmal kehrt und zurück durch die Mariahilferstrasse.

Dort wartet eine extra Motivationsspritze. Karina wartet mit einem Küsschen auf mich, und Max und Olivia klatschen dem Papa zu.

Bei Kilometer 20 merke ich langsam leichte Bauchkrämpfe. Sch…., hoffentlich hat das nix zu bedeuten. Trinken muss ich trotzdem, sonst pack ich es nicht.

Jetzt trennen sich die Halbmarathonläufer von den Marathonis und Staffelläufern. Endlich etwas mehr Platz. Alleine ist man trotzdem nie, zu viele Läufer sind unterwegs.

Jetzt fange ich auch an, Iso zu trinken. Bis dort hab ich nur Wasser getrunken. Und bei 25 gönne ich mir die erste Banane. Dem Magen geht es wieder besser, gottseidank.

Über den Schottenring geht es zurück Richtung Praterstern und in den Prater hinein. Jetzt merke ich wie meine Füße schwer werden. Die Oberschenkel fangen an zu brennen und sind wie taub, mir wird leicht schwindlig. Oje, das wird knapp mit den 3:30.

Ich laufe weiter den Prater rein Richtung Praterstadion. Bei Kilometer 30 fängt man langsam an rückwärts zu zählen. Nur noch 12 km. Das schaffst du. Aber meine Beine machen mir Sorgen. So zäh war es das letzte Mal nicht. Die Knie halten. Noch bin ich auf 3:30h Kurs. Aber nach dem Lusthaus geht nichts mehr. Ich stehe vor der Entscheidung, weiter zu laufen und zu riskieren, dass ich zusammen klappe, oder zurück zu schalten und die restliche 8 km so gut als möglich noch zu genießen. Schade, aber ich entscheide mich für meine Gesundheit und schalte auf 5:40 zurück.

Ich zähle die Kilometer. Nur noch 6. Ich habe gehofft, das langsamere Tempo lässt mich wieder etwas erholen aber es geht nicht mehr, die 3:30h sind heute nicht mehr erreichbar. Ich finde mich damit ab und laufe die restlichen Kilometer mit 6 min/km. fertig.

Endlich, das Ziel ist erreicht. Der Zieleinlauf über den gelben Teppich in die Zuschauermenge entschädigt für alle Strapazen. DU HAST ES GESCHAFFT geht es einem durch den Kopf. Und alle jubeln nur mir zu. 🙂

Der Rest ist genießen. Medaille abholen. Jausensackerl holen. Und das alkoholfreie Bier, mhhhh schmeckt das gut. Kalt ist es, der Wind pfeift ums Rathaus. Trotzdem muss ich erstmal ausruhen. Karina anrufen. Für mehr reicht es noch nicht.

Jetzt ist mir doch zu kalt. Muss mich duschen gehen. Kleidersack holen und ab ins Militärzelt. Die Duschen beim Drei Länder Marathon sind schon komfortabler. Aber das ist in dem Moment egal. Jetzt fühl ich mich wieder als Mensch. Karina und die Kinder suchen und dann geht’s nach Hause in den Schrebergartenweg nach Kritzendorf.

Dort merke ich dann meine Beine und den Muskelkater. Das Aufstehen von der Couch schmerzt. Aber es ist auch ein gutes Gefühl, es geschafft zu haben.

War ein tolles Erlebnis. Im Moment hab ich aber genug vom Marathon. Aber wer weiß, einen werde ich wohl noch mal laufen, irgendwann einmal.

Bis dann, und keep on running.

Matse

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